Cannabis ist kein harmloser Stoff. Das zeigt eine aktuelle Studie…

Die Legalisierung von Cannabis zum 1. April 2024 wurde von der damaligen Bundesregierung als überfälliger Schritt in eine moderne Drogenpolitik dargestellt. Als Fraktionsvorsitzender der Christlich Demokratische Union Deutschlands habe ich diese Entscheidung von Beginn an kritisch begleitet. Nicht aus Prinzip, sondern aus Verantwortung gegenüber den Menschen vor Ort – auch und gerade hier in Leverkusen. Politik darf sich nicht an ideologischen Leitbildern orientieren, sondern muss sich an den tatsächlichen Folgen messen lassen. Genau diese Folgen werden nun zunehmend sichtbar.

Eine im Deutsches Ärzteblatt veröffentlichte medizinische Analyse liefert erstmals belastbare deutsche Versorgungsdaten zu den Auswirkungen der Cannabis-Legalisierung auf schwere psychische Erkrankungen. Untersucht wurden die vollständigen stationären Behandlungsdaten von sechs psychiatrischen Kliniken in Bayerisch-Schwaben über mehrere Jahre hinweg. Der Vergleichszeitraum umfasst jeweils 24 Monate vor und nach Inkrafttreten der Legalisierung. Es handelt sich dabei nicht um Modellrechnungen oder Befragungen, sondern um reale Krankenhausdiagnosen aus dem klinischen Alltag  .

Das zentrale Ergebnis dieser Untersuchung ist eindeutig: Nach der Legalisierung ist es zu einem signifikanten Anstieg cannabisinduzierter Psychosen gekommen. Die Hospitalisierungsrate dieser Erkrankungen stieg im Mittel um das 1,8-Fache. Besonders alarmierend ist dabei die strukturelle Verschiebung innerhalb psychotischer Erkrankungen insgesamt. Während die Gesamtzahl der Schizophrenie-Spektrum-Störungen leicht rückläufig war, hat sich der Anteil cannabisinduzierter Psychosen nahezu verdoppelt. Vor der Legalisierung machten sie rund 4,7 Prozent aller nichtorganischen Psychosen aus, danach bereits 8,2 Prozent.

Diese Zahlen sind kein statistisches Randphänomen, sondern medizinisch hoch relevant. Cannabisinduzierte Psychosen sind häufig der Einstieg in schwerwiegende, langfristige Krankheitsverläufe. Internationale Langzeitstudien, auf die auch die Autorinnen und Autoren verweisen, zeigen, dass ein erheblicher Teil der Betroffenen später an chronischen Erkrankungen wie Schizophrenie oder bipolaren Störungen leidet. Dänische Registerdaten sprechen von Konversionsraten von bis zu 47 Prozent innerhalb von 20 Jahren. Wer diese Fakten kennt, kann den Konsum von Cannabis nicht weiter verharmlosen.

Zwar diskutiert die Studie auch mögliche Einflüsse veränderter Diagnosepraxis oder einer höheren Sensibilität der Ärztinnen und Ärzte. Doch selbst unter Berücksichtigung dieser Effekte bleibt der Befund eindeutig. Der Anstieg cannabisinduzierter Psychosen fällt deutlich stärker aus als der Anstieg cannabisbezogener Krankenhausaufenthalte insgesamt. Zudem lässt sich die Größenordnung der Entwicklung nicht allein durch eine diagnostische Verschiebung erklären. Die Daten sprechen dafür, dass die Legalisierung reale gesundheitliche Folgen nach sich zieht.

Auch wenn die Untersuchung keine Aussagen zu Jugendlichen unter 18 Jahren zulässt, ist gerade dieser Punkt politisch brisant. In Leverkusen erleben wir tagtäglich, wie früh Jugendliche mit Suchtmitteln in Berührung kommen und wie stark psychische Belastungen bereits im jungen Alter zunehmen. Die Vorstellung, eine Legalisierung schütze junge Menschen besser, erweist sich vor diesem Hintergrund als gefährliche Illusion. Eine gesellschaftliche Normalisierung des Cannabiskonsums senkt Hemmschwellen und vermittelt den Eindruck von Harmlosigkeit – mit möglichen Langzeitfolgen, die erst Jahre später sichtbar werden.

Die CDU hat stets betont, dass Freiheit ohne Verantwortung kein Fortschritt ist. Eine verantwortungsvolle Drogenpolitik muss den Schutz der Gesundheit über politische Symbolik stellen. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse aus dem Deutschen Ärzteblatt sind ein deutlicher Warnruf. Sie zeigen, dass die Cannabis-Legalisierung kein folgenloses Reformprojekt ist, sondern ein gesundheitspolitisches Experiment mit messbaren Risiken.

Als Kommunalpolitiker sehe ich es als meine Aufgabe an, diese Entwicklungen ernst zu nehmen. Die Folgen treffen nicht abstrakte Statistiken, sondern konkrete Menschen – Familien, junge Erwachsene, Arbeitgeber und letztlich auch unsere kommunalen Hilfesysteme. Prävention, Aufklärung und der Schutz besonders gefährdeter Gruppen müssen wieder in den Mittelpunkt rücken. Dazu gehört auch der Mut, politische Entscheidungen zu korrigieren, wenn sich zeigt, dass sie Schaden anrichten.

Die Studie des Deutschen Ärzteblatts liefert dafür eine klare Grundlage. Sie darf nicht relativiert oder ausgesessen werden. Wer Gesundheitspolitik ernst meint, muss die Cannabis-Legalisierung neu bewerten – im Interesse der öffentlichen Gesundheit und der Verantwortung gegenüber unseren Städten und Gemeinden, auch hier in Leverkusen.

Hier geht es zur Studie aus dem Ärzteblatt: