Leverkusen braucht Klarheit, Konsequenz und einen starken Rechtsstaat im Kampf gegen Clan- und Bandenkriminalität

Die Ereignisse in der Nacht zu Ostermontag (06.04.2026) in Opladen sind ein Warnsignal. Jetzt kommt es auf Entschlossenheit, Zusammenarbeit und Null Toleranz gegenüber kriminellen Strukturen an.

Von Tim Feister

Die Bürgerinnen und Bürger in Leverkusen haben ein Recht auf Sicherheit. Sie haben ein Recht darauf, dass Recht und Gesetz in unserer Stadt überall gelten. Und sie haben ein Recht darauf, dass Politik, Verwaltung und Sicherheitsbehörden klar benennen, wo Probleme bestehen, und entschlossen handeln, wenn kriminelle Strukturen unser Gemeinwesen herausfordern.

Genau deshalb haben wir als CDU-Fraktion einen Antrag in den Rat der Stadt Leverkusen eingebracht, mit dem wir ein klares Zeichen gegen Clan- und Bandenkriminalität setzen. Unser Ziel ist eindeutig: Leverkusen darf keine Grauzonen dulden, keine rechtsfreien Räume akzeptieren und keine Entwicklung hinnehmen, in der organisierte, gewaltbereite oder einschüchternde Kriminalität an Einfluss gewinnt.

Die Ereignisse der Nacht zu Montag, dem 6. April 2026, in Leverkusen-Opladen zeigen, warum dieses Thema nicht länger nur abstrakt diskutiert werden darf. Nach Angaben der Polizei wurden Einsatzkräfte in einer Shisha-Bar auf der Uhlandstraße angegriffen, als sie eine laute Feier beenden wollten. Zwei Polizistinnen und ein Polizist wurden verletzt. Die Polizei berichtet, dass Partygäste einer dort feiernden Großfamilie die Beamten attackiert hätten. Zeitweise waren bis zu 150 Polizeikräfte im Einsatz; der Einsatz dauerte bis in die frühen Morgenstunden, ein Tatverdächtiger wurde vorläufig festgenommen.

Das ist kein Bagatelldelikt. Das ist kein bloßer Zwischenfall. Wenn Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte bei einem Einsatz in unserer Stadt angegriffen werden, wenn eine Lage so eskaliert, dass massive Verstärkung notwendig wird, dann ist das ein Angriff auf die öffentliche Ordnung und auf die Autorität des Rechtsstaats. Wer Einsatzkräfte attackiert, greift nicht nur einzelne Menschen an, sondern den Staat in seiner Schutzfunktion. Darauf muss eine Kommune politisch reagieren – klar, unmissverständlich und konsequent.

Gleichzeitig gilt für uns: Seriöse Politik darf nichts vorverurteilen. Die Ermittlungen laufen. Nicht jede familiäre Struktur ist automatisch mit Clan- und Bandenkriminalität gleichzusetzen. Und selbstverständlich darf es keine pauschale Verdächtigung allein aufgrund eines Namens, einer Herkunft oder eines familiären Hintergrunds geben. Aber genau diese notwendige Differenzierung darf nicht dazu führen, dass offenkundige Probleme verharmlost oder aus politischer Bequemlichkeit verschwiegen werden.

Die Fakten sprechen dafür, dass Leverkusen das Thema sehr ernst nehmen muss. Nordrhein-Westfalen führt seit Jahren Lagebilder zur Clankriminalität. Dabei werden regelmäßig tausende Straftaten im Zusammenhang mit solchen Strukturen erfasst. Zugleich zeigt sich, dass die Bekämpfung nur dann wirksam ist, wenn Behörden eng zusammenarbeiten, Kontrollen konsequent durchgeführt werden und alle rechtlichen Instrumente ausgeschöpft werden.

Auch die allgemeine Sicherheitslage in Leverkusen verlangt Aufmerksamkeit. Die Kriminalität ist zuletzt leicht gestiegen, in einzelnen Bereichen sogar deutlich. Das zeigt: Sicherheit ist kein Selbstläufer. Sie muss jeden Tag neu erarbeitet werden – durch Polizei, Verwaltung und eine klare politische Linie.

Wer nach Leverkusen schaut, erkennt außerdem, dass das Thema krimineller Großfamilien nicht erst seit dieser Nacht existiert. Bereits in der Vergangenheit gab es umfangreiche Kontrollen, insbesondere im Umfeld von Shisha-Bars. Dabei wurden immer wieder Verstöße gegen verschiedenste Gesetze festgestellt – vom Steuerrecht über das Ordnungsrecht bis hin zu strafrechtlich relevanten Delikten.

Auch in jüngerer Zeit wurden Verfahren gegen Angehörige einer stadtbekannten Großfamilie öffentlich. Dabei ging es unter anderem um Geldwäschevorwürfe sowie um Vermögensabschöpfung nach strafrechtlichen Ermittlungen. Diese Entwicklungen zeigen: Das Thema ist real, es ist konkret – und es betrifft unsere Stadt.

Aus Sicht der CDU ist die Schlussfolgerung deshalb eindeutig.

Erstens braucht Leverkusen eine klare politische Haltung. Der Rat der Stadt muss unmissverständlich feststellen, dass Clan- und Bandenkriminalität in unserer Stadt keinen Platz hat. Das ist mehr als Symbolik. Es ist ein wichtiges Signal an die Bürgerinnen und Bürger, an die Sicherheitsbehörden und auch an diejenigen, die meinen, den Staat herausfordern zu können.

Zweitens braucht Leverkusen Transparenz und eine ehrliche Bestandsaufnahme. Genau deshalb fordern wir eine Sondersitzung des kriminalpräventiven Rates. Dort sollen Polizei und Stadtverwaltung gemeinsam darstellen, wie die aktuelle Lage einzuschätzen ist, wie die Zusammenarbeit funktioniert, welche Maßnahmen bereits greifen und wo weiterer Handlungsbedarf besteht.

Drittens braucht es ein abgestimmtes und konsequentes Vorgehen aller zuständigen Stellen. Clan- und Bandenkriminalität wird nicht durch einzelne Maßnahmen bekämpft, sondern durch ein Zusammenspiel von Polizei, Justiz, Ordnungsbehörden und kommunalen Instrumenten. Kontrollen, rechtliche Maßnahmen, Prävention und Kooperation müssen Hand in Hand gehen.

Dazu gehört auch, ehrlich auszusprechen, was viele Bürgerinnen und Bürger längst wahrnehmen: Wenn sich problematische Strukturen verfestigen, leidet nicht nur die Sicherheit, sondern auch das Vertrauen in den Staat. Ein starker Rechtsstaat muss deshalb sichtbar handeln.

Ebenso klar ist aber: Konsequenz darf nie mit Pauschalisierung verwechselt werden. Der Kampf gegen Clan- und Bandenkriminalität richtet sich gegen Täter und Strukturen – nicht gegen Herkunft oder Familiennamen. Wer sich an Recht und Gesetz hält, gehört zur großen Mehrheit unserer Gesellschaft und verdient Schutz, nicht Misstrauen.

Als CDU stehen wir für diesen Kurs: klar in der Sprache, sauber in der Sache, entschlossen im Handeln. Wir wollen nicht wegsehen, aber auch nicht pauschalisieren. Wir wollen handeln.

Die Nacht von Opladen war ein Warnsignal. Sie darf nicht folgenlos bleiben.

Leverkusen braucht jetzt Klarheit statt Beschwichtigung, Konsequenz statt Ausflüchten und Zusammenarbeit statt Zuständigkeitsdenken. Unsere Stadt muss zeigen, dass sie wehrhaft ist, dass sie ihre Einsatzkräfte schützt und dass sie kriminellen Strukturen entschlossen entgegentritt.

Dafür haben wir unseren Antrag eingebracht. Für mehr Transparenz. Für mehr Konsequenz. Für einen starken Rechtsstaat in Leverkusen.